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1870-1918

Das Symbol  des elsässischen Widerstand gegen Preußen.

Die offizielle Geburt unserer Fahne.


 

1870-71: Frankreich erklärt Preußen den Krieg. Gewaltige Kämpfe finden im Elsaß statt. Schließlich siegt Preußen gegen Napoleon III. 1871 wird Elsaß-Lothringen dem deutschen Reich angeschlossen.

Solch ein Fakt blieb nicht ohne Konsequenz im damaligen deutschen Reich. Die rot und weiße Fahne, die zwar offiziell noch nicht anerkannt war, galt den Elsässern als Protestzeichen gegen die Preußen; damit wurde die elsässische Eigenart zum Ausdruck gebracht, insbesondere in preußischfeindlichen Milieus. Die rot und weiße Fahne wird zum Symbol der wieder zu erobernden elsässischen Freiheiten, und daher auch zum Zeichen der Autonomisten.

 

Elsässische Dichter werden seitdem danach trachten, die rot und weiße Fahne zu mystifizieren. „ Uff dene Wappe han´mer gschwore, de adle Fahne wiss un rot“ (2) schreiben die Brüder Mathis. Auch Stosskopf erwähnt die Fahne in seinem berühmt gewordenen Text „d´r verbotte Fahne“ (Straßburg, 1904). 1910 veröffentlicht René Schickelé einen vielsagenden Artikel: „die rot-weiße Zukunft“.

 

Bei jedem Fest, ob offiziellem Feiertag oder nicht, wird die Fahne an den Fenstern gehisst.

 

 

        Auch diese Postkarte Straßburgs um die Jahrhundertwende, kann hier als historische Quelle betrachtet werden. Rechts steht das Refrain des berühmten Volkliedes „s´Elsass unser Ländel“.

 

 

Elsässische Politiker, ob frankophil oder nicht, bedienen sich ebenfalls regelmäßig der rot und weißen Fahne. Dem Abbé Wetterlé, der zwei Monate inhaftiert wurde, ist beispielerweise der leere Stuhl im Straßburger Landtag von den frankophilen Gesinnungsgenossen mit einem immensen rot und weißen Blumenstrauß geschmückt worden, während auch zahlreiche anders gesinnte Abgeordneten zwei rot und weiße Blümchen ins Knopfloch steckten. Allmählich setzten sich die Farben durch, sodass jene sich für die Elsässer zum Sinnbild ihrer Heimat (Heimet) wurden. Die Frage nach der Fahne wurde 1912 bis 1913 von den diversen elsässischen Fraktionen im elsass-lothringischen Landtag öfters erörtert.   

 

Unter den Abgeordneten kommt es ganz schnell zu einem Konsens für die beiden rot und weißen Farben. Das Zentrum, unter der Führung von Charles Hauss, sowie die Demokraten und Liberalen Georges Wolfs werden in ihren Anträgen die Regierung darum bitten, daran zu arbeiten. Um die Lothringische Öffentlichkeit für sich einzunehmen, sorgt man sogar dafür, die Flagge, oben in der linken Ecke mit dem lothringischen Kreuz zu versehen. Die Sozialisten versprechen ihrerseits, trotz ihrer Vorliebe für die rote Fahne des internationalen Proletariats, nicht dagegen einzuwenden und das Gesetz zu verabschieden.

 

 


 

 

Am 12. Mai 1912 kommt es zur Erörterung jener Frage im Landtag. Im Namen der mächtigen elsässischen Zentrumsfraktion verlangt Dr. Müller, dass dem Elsaß zur Ergänzung der 1911 gewährten Autonomie, ein Symbol seiner Eigenart zugeschrieben werde. Durch Peirotes (künftiger Bürgermeister Straßburgs) und Imbs wiederholen die Sozialisten ihre Zusicherung, nicht dagegen einzuwenden, bedauern aber dabei einen gewissen Übersturz.

 

Eine Kommission wird dann dafür beauftragt, zu einem endgültigen Vorschlag zu gelangen. Einstimmig kommt es zu einer Fahne, die aus den horizontal gestellten rot und weißen Farben besteht. Sie wird mit dem lothringischen Kreuz versehnen, das oben auf der rechten Seite des roten Banners hineingesetzt wird.

 

Jener Vorschlag wird bei der Plenarsitzung des Elsass-Lothringischen Landtag vom 25. Juni 1912 einstimmig verabschiedet.

 

 

        Die vom Landtag gewählte Fahne.


Doch die Zustimmung der preußischen Regierung lässt auf sich warten. Am 27. Mai 1913 richtet sich der vom Verzug empörte Abgeordnete Hauss an die Regierung, um sich nach der Entwicklung zu erkundigen. Er wird vom Untersekretären Mandel darüber informiert, dass die Akten auf heraldische Probleme stoßen. In Wirklichkeit liegt das Ganze am internationalen Krisenzustand; zu einer Antwort Berlins wird es nie kommen. Dann kommt es zum Krieg, sodass all diese mit der Verfassung von 1911einhergehenden Hochentwicklungen, für immer unvollzogen bleiben.

 

Doch passt jetzt die rot und weiße Fahne ganz gut in die Landschaft hinein. Das ganze Land identifiziert sich mit den Farben, die überall gehisst werden. Der Dichter Emile Wörth komponiert das Elsässisches Fahnenlied, (1911), das zur elsässischen Nationalhymne adoptiert wird.

   

 

         Eine Postkarte vom elsässischen Künstler Charles Spindler, dessen Marqueterie in der ganzen Welt Schule gemacht hat.